Jetzt gibt es DiGAs auf Rezept

Eine DiGA ist eine Digitale Gesundheitsanwendung, also eine App, mit der ein Patient gegen bestimmte Beschwerden angehen kann. Gegen Tinnitus und Angststörungen – die ersten zugelassenen Anwendungen – können Ärzte seit Mitte November  DiGA auf Rezept verordnen.

Die Webanwendung Velibra ist unter anderem für den Einsatz im häuslichen Versorgungsbereich entwickelt worden. Sie richtet sich an Patienten mit Angst- und Panikstörungen. Geprüfte klinische Studien belegen, dass Patienten, die zusätzlich zu einer hausärztlichen Behandlung Velibra nutzten, deutlich geringere Angst- und Panikstörungen hatten als Patienten, die nur unter hausärztlicher Betreuung standen. Das Programm ist so aufgebaut, dass es individuell auf die Patienten eingeht und mit verschiedenen Übungen motiviert, Denk- und Verhaltensmuster zu verändern. Die Patienten arbeiten in ihrem eigenen Tempo, können Informationen nachlesen, ihren Stimmungsverlauf nachvollziehen und erhalten konkrete Handlungsempfehlungen.

Ärzte verordnen die Anwendung mit einer Pharmazentralnummer (wie bei einem Medikament) über 90 Tage. Die Kosten für die GKV betragen 476 Euro. Zur Stabilisierung der Effekte ist eine Nutzung für 180 Tage empfohlen.

Die verhaltenstherapeutische App Kalmeda bietet Tinnitus-Patienten eine evidenzbasierte und leitlinienkonforme Unterstützung der ärztlichen Behandlung. Das Programm ist darauf aus, negative Denk- und Verhaltensmuster, die sich bei den Patienten gefestigt haben, durch positive Bewertungen zu ersetzen. Gelingen soll das in fünf Levels mit je neun Etappen, die eine individuelle Anleitung zur Aufmerksamkeitslenkung, Entspannung, Achtsamkeit und Akzeptanz geben. Daneben können Inhalte aus einem Wissens-, Entspannungs- und Soundteil aufgerufen werden. Die App ergänzt die Therapie des HNO-Arztes, der diese zur Anwendung über 990 Tage verordnet. Sie kostet die Krankenkassen derzeit 117,00 Euro. Versicherte, die ihrer Krankenkasse einen Nachweis über entsprechend vorliegende Indikation vorlegen, erhalten die DiGA auch ohne ärztliche Verordnung.

Die Zulassung der ersten Apps durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Rezept ist ein guter Startschuss für die digitale Gesundheitsversorgung in Deutschland. Insbesondere vor dem Hintergrund einer Vielzahl medizinisch ungeprüfter Gesundheits-Apps, die auf dem Markt sind, vermitteln die DiGA wichtige Sicherheit. Ärzte verordnen den Versicherten damit ausgewählte, geprüfte digitale Gesundheitsanwendungen, deren medizinische Eignung nachgewiesen wird.